Das Alte Rathaus in Hannover ist das älteste nichtkirchliche Gebäude der Stadt und zusammen mit der Marktkirche der südlichste Vertreter der norddeutschen Backsteingotik.

Dabei ist der heutige Gebäudekomplex in mehrere Etappen entstanden. Der zur Marktkirche weisende Ursprungsbau, der heutige Marktflügel, wurde um 1230 aus Lindener Kalkstein gebaut. Durch die zunehmende Verschmutzung des Marktplatzes und eine spätere Aufschüttung wurde das Erdgeschoss des Rathauses zum Kellergeschoss. Zwischen 1350 und 1412 erhielt das Gebäude eine gotische Neugestaltung mit einer Backsteinummantelung und der Aufstockung eines weiteren Geschosses. 1409 bis 1413 entstand die erste Erweiterung des Rathauses an der heutigen Schmiedestraße, die früher Marktstraße hieß. An diesem Gebäudeteil befindet sich auch der älteste Teil des Wappen- und Figurenfrieses, der zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Stock umläuft. Zwischen 1453 und 1455 verzierten die Ratsmaurermeister Cord und Ludeke Haverkoper auch den Marktflügel weiter. Sie brachten Schaugiebel, Dacherker und eine farbige Bemalung an und führten den Wappen- und Figurenfries fort. Um 1490 wird die Gerichtslaube angebaut. 

Von 1565 bis 1567 bauen Ratsmaurermeister Dirik Berndes, Ratszimmermeister Jürgen Gering und Zimmermeister Hinrich Holste aus Hildesheim den Apothekenflügel an der Westseite, die an die Köbelingerstraße angrenzt. In dem Anbau eröffnet anschließend die erste Apotheke Hannovers. Die Apotheken jener Zeit hatten neben Arznei auch noch viele Waren des täglichen Bedarfs im Angebot und außerdem die Erlaubnis Alkohol auszuschenken. Der Apothekenflügel war der bedeutendste Fachwerkbau der Renaissance in Hannover. Trotzdem wurde er 1844 abgerissen.

Denn schon um 1838 plante Stadtdirektor Wilhelm Rumann einen Neubau des Rathauses, um Räumlichkeiten für die städtische Justiz zu schaffen. Ein Jahr später baute Stadtbaumeister August Heinrich Andreae daraufhin den Gefangenenhausflügel im Hof und von 1845 für das Stadtgericht den so genannten Dogenpalast an die Stelle des Apothekenflügels. Andreae hatte sich für den viergeschossigen Bau im Rundbogenstil offenbar von dem gleichnamigen venezianischen Original inspirieren lassen, das ebenfalls Sitz der Regierung und der Justizorgane war.

Erst 1890 baute der Architekt und Hochschullehrer Conrad Wilhelm Hase den letzten Flügel des Alten Rathauses an der heutigen Karmarschstraße und orientierte sich dabei in Form und Material an dem Altbau. Hase fügte geschickt ein Geschoss hinzu, was aber durch die etwa gleich hohen Giebel der anderen Gebäudeteile kaum auffällt.

Nach der teilweisen Zerstörung des Rathauses 1943 und der folgenden Wiederherstellung und Umgestaltung befinden sich in den alten Teilen heute Gaststätten, Festsäle, Läden und Büros, im Dogenpalast das Standesamt mit Trauzimmern. Der Hof ist ein gläsern überdachter öffentlicher Raum. 

Diesen POI teilen