Das Neue Rathaus in Hannover ist ein gut hundert Jahre alter Prachtbau. In seiner Kuppel fährt der einzige Bogenaufzug weltweit, der auch Besuchern offen steht. Das Neue Rathaus ist noch immer Sitz der hannoverschen Stadtverwaltung.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Stadtverwaltung von Hannover über mehrere Gebäude der Stadt verteilt und Stadtdirektor Heinrich Tramm drängte auf ein neues Rathaus. Nachdem er sich mit dem heutigen Standort im Maschpark durchgesetzt hatte, fand 1895 ein Architekturwettbewerb für den Neubau statt. Von den 53 eingereichten Entwürfen kamen sechs in die engere Wahl. Vollends überzeugen konnten aber alle nicht. Deshalb fand zwei Jahre später unter den Architekten dieser sechs Entwürfe ein zweiter Wettbewerb statt, aus dem Hermann Eggert als Sieger hervorging. Eggert war ein renommierte Baurat aus Berlin und hatte zuvor schon den Frankfurter Hauptbahnhof geplant.

Die Bauarbeiten begannen erst 1901 und zogen sich in die Länge, denn die Aufgabe war gewaltig. Das neue Rathaus sollte fast 130 Meter breit, 76 Meter tief und fast 100 Meter hoch werden. Wegen des feuchten Untergrunds trieben die Arbeiter zunächst über 6.000 Buchenpfähle als Gründung in den Boden. Dann mussten tonnenschwere Sandsteinblöcke bewegt und hunderte Meter Holzgerüste gebaut werden. Der schwierigste Bauabschnitt aber war die Kuppel, deren Bau 1906 begann und allein zwei Jahre dauerte. Schon 1907 zogen die ersten Beamten im Erdgeschoss ein, obwohl das Gebäude noch lange nicht fertig war.

Zu alledem kam es zwischen Eggert und der städtischen Baukommission zum Streit über den Innenausbau. Eggert wollte den äußeren Stil des Historismus innen fortführen, während sich die Baukommission für eine Innenarchitektur im aufkommenden Jugendstil aussprach. Schließlich wurde der Vertrag mit Eggert Ende 1909 aufgelöst und der Maler und Architekt Gustav Halmhuber für die Inneneinrichtung engagiert.

Technische Highlight des Neuen Rathauses ist bis heute der weltweit einmalige Bogenaufzug in der Kuppel. Mit ihm können Besucher bis zur Aussichtsplattform auf der Spitze des Turm fahren. Während der Fahrt neigt sich der Fahrstuhlschacht mit der Rundung der Kuppel um bis zu 17 Grad.

Zur Einweihung des Neuen Rathauses am 20. Juni 1913 kam Kaiser Wilhem II. Eigens aus Berlin angereist. Und obwohl die veranschlagten Kosten für den Prachtbau von 4,5 Millionen auf 10 Millionen Mark angestiegen waren, soll Stadtdirektor Tramm zu Kaiser Wilhelm voller Stolz gesagt haben: „Alles bar bezahlt, Majestät!“

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