Das Stader Rathaus wurde 1667 auf den Kellern des ersten Rathauses errichtet, das beim großen Stadtbrand von 1659 zerstört wurde. 1985 erhielt es einen modernen Erweiterungsbau.

Das erste Rathaus von Stade wurde schon in den Stader Statuten von 1279 erwähnt. Wie die meisten Rathäuser zu der Zeit war es vermutlich ein zweigeschossiger Hallenbau auf einer rechteckigen Grundfläche. Der Keller diente häufig als Kaufhalle, denn es war eine wichtige Aufgabe des Stadtrats, den Handel zu schützen und zu überwachen. Das Rathaus wurde bei dem verheerenden Stadtbrand am 26. Mai 1659 zerstört, der zwei Drittel der Stadt in Schutt und Asche legte.

Nur die Keller überdauerten die Feuersbrunst. Weil das Geld für den sofortigen Wiederaufbau fehlte, wurde zunächst ein provisorisches Rathaus für das Gericht und die Kämmerei gebaut. 1661 bekam der Fachwerkbau noch einen Glockenstuhl mit Uhr. Erst 1667 fasste der Rat den Beschluss mit dem Bau eines neuen Rathauses zu beginnen. Weil der Stadt immer wieder das Geld ausging und die Bürger zu Kollekten aufgerufen werden mussten, verzögerte sich die Bauarbeiten erheblich. Es dauerte bis 1672 bis endlich auch die Innentreppe eingebaut wurde und das neue Rathaus komplett fertig war.

Bis zur Oberkante der Erdgeschossfenster ist das Rathaus aus den großen Ziegel gemauert, die vom Abbruch des alten Rathauses und anderer durch den Brand zerstörter Gebäude stammen. Die größte Verzierung des zweiten Rathauses ist prächtige Sandsteinportal, das mittig über dem Eingang das gekrönte Wappen des damaligen Landesherren König Karl XI. Schweden über dem Stader Stadtwappen zeigt. Als Symbol der Handelsstadt steht mittig auf dem Portal die Figur des römischen Götterboten Merkur, dem Beschützer der Händler und Kaufleute. Links und rechts stehen auf den beiden Säulen des Portals die allegorischen Figuren Prudentia und Justitia, die für die Klugheit und Gerechtigkeit des Stadtrats stehen sollen. 

Stilistisch ist der Bau deutlich von der holländischen Renaissance geprägt. Das zeigt sich in den Gesimsen, den Quadern an den Hausecken und den Sandsteinrahmen der großen Fenster. Der völlige Verzicht auf Giebel, Erker und Arkaden zeigt aber auch schon den Einfluss des Barock, der im Inneren noch deutlicher wird.

Schon in den 1950er Jahren wurde das zweite Rathaus Stades jedoch zu klein, so dass viele Dienststellen auf andere Gebäude in der Stadt verteilt werden mussten. 1974 kaufte die Stadt die um das alte Rathaus liegenden Grundstücke und baute darauf von 1985 bis 1988 das neue Rathaus nach den Plänen des Braunschweiger Architekten Carsten Henze. Altes uns neues Rathaus bilden heute den Mittelpunkt der historischen Altstadt.

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